OÖNachrichten, 29. Oktober 2018


OÖNachrichten, 29. Oktober 2018

Helmut Schleich, ein Kleinkünstler mit großer Klasse

Die weißen alten Männer sind schuld. Ihr Wahlverhalten hat, so sagt man, der Welt Brexit und Trump eingebracht.

Helmut Schleich, bayerischer Kleinkünstler von großer Klasse, nahm sich am Samstag beim Kleinkunstfestival im Linzer Posthof in seinem Programm "Kauf, du Sau!" aller dieser Themen an – der Männer, seien sie wohnhaft in Bayern oder im Weißen Haus, der politischen Herausforderungen unserer Zeit und natürlich vor allem den Politikern selbst. "Beispiele, wohin Jugendwahn in der Politik führen kann", hätten wir hier ohnehin bessere als die Deutschen, sagte er, bevor er sich auf die Suche nach der Leitkultur machte. "Tatort" schauen? Schwarzbrot essen?

Liebe Muttsie, lieber Vatsie!

Er analysiert Sprache und Gesellschaft, imitiert Auffälligkeiten, zerlegt Teilaspekte in ihre Absurdität, treibt auf die Spitze und schlägt ungeniert über die Stränge. Zwar haben die älteren Generationen schon immer gedacht, dass die jüngeren spinnen – diesmal könnte es aber stimmen. "Pippi Langstrumpf ist Gift für den zuckerfrei lebenden Nachwuchs im Vollkorn-Paradies" in einer Welt, in der nach Gender-Seminaren nur noch Muttsie und Vatsie als passende Anreden für die Eltern durchgehen.

Auf Franz Josef Strauß solle das Publikum nicht warten, sagte Schleich. Den verstorbenen bayerischen Ministerpräsidenten, seine Paraderolle, ließ er am Ende doch noch auftreten, genauso wie die aus seinen TV-Auftritten bekannten Brüder Ratzinger. Mit scharfer Zunge, aber ohne Zeigefinger – Schleich begeisterte sein Publikum von Anfang bis Ende.

Fazit: Kabarett in seiner besten Darreichungsform – hochintelligent und hochpolitisch.

Von Julia Evers


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